Edgar Escher
- Taugenix in Saarheim -
Edgar Escher ist 26 und hat es zu nichts gebracht. Er hat einen nur
mäßigen Realschulabschluss und sonst nichts.
Seiner Ansicht nach steht ihm seine Kreativität im Weg, die es verhindere, dass er sich gewissenhaft um die banalen Dinge des Lebens kümmern könne. Nach Meinung seines Vaters, des (ebenfalls wenig erfolgreichen) Sulzweiler Gebrauchtwagenhändlers Josef Escher, fehlt es seinem Edgar dagegen an Biss und Durchsetzungsvermögen - Fähigkeiten, die in unserer Wettbewerbsgesellschaft notwendig seien, die nichts für Träumer übrig habe. Nach Auffassung seiner Oma ist er ein Taugenix und Tunichtgut. Seine Mutter liebt ihn.
Escher schlägt sich und seinen Kaiman Sammy meistens mit Gelegenheitsarbeiten durch, da er nie lange bei einem Job bleiben kann. Sammy stammt von dem kleinen konkursreifen Zirkus "Saarlodrini", der vor zwei Jahren in Saarheim überwintert hatte. Kurz vor Abreise des Zirkus war Sammy von dort entwischt und Escher "zugelaufen", der sich seitdem liebevoll um ihn kümmert. Er hat Escher mit seinem kurzzeitigen Ausflug in den Saarheimer See nicht nur in Schwierigkeiten, sondern auch Glück gebracht: Da Sammy durch dieses Abenteuer populär geworden war, vermochte Escher mit Sammy-Gadgets kurzzeitig zu Wohlstand zu kommen. Nachdem die Sammy-Welle abgeflaut ist, ist es aber auch damit nicht mehr weit her, da Escher das Geld durch die Finger geflossen ist.
Deshalb sieht sich Escher nun nach einer neuen Einnahmequelle um. Er denkt an eine Karriere als Geheimagent, Detektiv, Film- oder Rockstar, Reporter, Lokomotivführer, Feuerwehrmann oder Greenpeace-Aktionist. Bis es soweit ist, arbeitet er als Kassierer bei einer großen deutschen Einzelhandelskette. Aber das wird er nicht mehr lange machen, denn er hat schon zweimal das große Los gezogen
Zeichnung: Satish Sule
© Klaus Grupp (Universität des Saarlandes) und
Ulrich Stelkens (Deutsche Hochschule für Verwaltungswissenschaften Speyer)